Das war der Jahrgang 2025 – 2026
Bevor der dritte Jahrgang startet, ist es für uns an der Zeit, noch einmal kurz auf das vergangene Jahr zurückzublicken. Der zweite Jahrgang begann mit zwanzig jungen Menschen aus den unterschiedlichsten Fachrichtungen. Bachelor-, Master- und Diplomstudierende aus Politik, Betriebswirtschaft, Management und Soziologie, aber auch aus Medizin, Philosophie und Elektrotechnik waren mit dabei. Ein breites Spektrum an Hintergründen, Perspektiven und Wissen, das uns als OrganisatorInnen einmal mehr zeigt, dass das Interesse an Wirtschaftspolitik auch unter jungen Menschen vorhanden ist. Ein Interesse, das sich nicht zuletzt in den kürzlich stattgefundenen Protestaktionen gegen die Kürzungen des Bildungsbudgets für Universitäten bestätigt hat.
Lets Go! Der zweite Jahrgang geht los.
Begonnen haben wir den zweiten Jahrgang in den Räumlichkeiten des Treibhauses mit einer Reihe von Impulsvorträgen zu grundlegenden wirtschaftspolitischen Definitionen, Problematiken und Debatten. Was unterscheidet die Wirtschaftspolitik von der Wirtschaftswissenschaft? Wann hat man sich erstmals mit wirtschaftspolitischen Fragestellungen auseinandergesetzt? Wessen Theorien und Perspektiven prägen unsere heutigen Debatten noch immer? Und was bedeutet Wirtschaftspolitik eigentlich in der Praxis?
Mit diesen und vielen weiteren Fragen haben wir uns gemeinsam beschäftigt. Anschließend fanden wir uns in kleineren Gruppen zusammen und tauschten uns – mit einem Bier oder Tee in der Hand – über die vorgestellten Themen, unterschiedliche Sichtweisen und eigene Gedanken aus. Ein erster Abend, der nicht nur Wissen vermittelte, sondern auch Raum für Diskussion und gegenseitiges Kennenlernen bot.
Eine Neuerung im zweiten Jahrgang war außerdem unser Buchklub. Dabei entschieden sich unsere WIPOLis für das Buch „Die Kämpfe der Zukunft“ von Thomas Piketty und Michael Sandel. Eine weitere Möglichkeit, sich abseits der klassischen Vorträge intensiver mit wirtschaftspolitischen und gesellschaftlichen Fragestellungen auseinanderzusetzen und gemeinsam über die großen Fragen unserer Zeit nachzudenken.
Besuch im Tiroler Landtag
Unser zweites Treffen führte uns in die historischen Räumlichkeiten des Tiroler Landtags. Dort bekamen wir einen Einblick in die Geschichte und die Arbeitsweise des Tiroler Parlamentarismus. Maximilian Oswald nahm sich die Zeit, uns sowohl die historischen Hintergründe als auch die parlamentarischen Verfahren und Abläufe ausführlich näherzubringen. So konnten wir einen Blick hinter die Kulissen der politischen Entscheidungsfindung in Tirol werfen und besser verstehen, wie parlamentarische Arbeit in der Praxis funktioniert.

Recht und Ordnung an den Finanzmärkten
Mit Franz Mohr durften wir einen Ökonomen und Datenwissenschaftler der österreichischen Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) bei uns begrüßen. Er gab uns einen ausführlichen Einblick in seine Arbeit sowie in die Aufgaben und die Funktionsweise der FMA. Dabei erläuterte er auch, wie die Behörde auf europäischer Ebene mit anderen Regulierungsinstitutionen zusammenarbeitet und welche Bedeutung diese Zusammenarbeit für die Aufsicht über die Finanzmärkte hat.
Darüber hinaus beschäftigten wir uns mit der Finanzkrise von 2008 und ihren Auswirkungen. Natürlich blieb auch genügend Zeit für Fragen und Diskussionen, bei denen die TeilnehmerInnen die Gelegenheit nutzten, unterschiedliche Aspekte der Finanzmarktregulierung genauer zu beleuchten.

Wachstum und Gesellschaft
Zusammen mit Mitgliedern des Netzwerks Plurale Ökonomik Innsbruck nahmen wir kurz vor Weihnachten an einem Workshop zum Thema „Growth Dependencies“ teil. Jakob Seidler führte uns durch den Abend, an dem wir uns intensiv mit der Frage beschäftigten, wie stark unterschiedliche gesellschaftliche und wirtschaftspolitische Bereiche von wirtschaftlichem Wachstum abhängig sind.
Dabei beleuchteten wir insbesondere den Arbeitsmarkt, den Sozialstaat, die Fiskalpolitik und die Geldpolitik. Gemeinsam gingen wir der Frage nach, welche Rolle wirtschaftliches Wachstum in diesen Bereichen spielt und welche Herausforderungen entstehen können, wenn bestehende Strukturen auf kontinuierliches Wachstum angewiesen sind. Ein spannender Abend, der uns zahlreiche neue Perspektiven auf ein Thema eröffnete, das in wirtschaftspolitischen Debatten oft als selbstverständlich vorausgesetzt wird.
Woher kommt der Strom aus der Steckdose?
Diese Frage habe ich mir schon lange gestellt. Natürlich ist mir klar, dass ein Kraftwerk – egal welcher Art – Strom produziert und in ein Netz einspeist, das dann dafür sorgt, dass ich meinen Toaster benutzen kann. Aber wie kann es eigentlich sein, dass ich grünen Strom kaufe, obwohl gerade kein Wind weht, keine Sonne scheint oder kein Wasser im Speicherbecken ist? So wie es beispielsweise im Januar, als unser Vortrag stattfand, der Fall war.
Diese und viele weitere, deutlich komplexere Fragen hat Dr. Domenico Rief, Experte für wirtschaftspolitische Fragestellungen mit Schwerpunkt Energiepolitik bei der Arbeiterkammer Tirol, auf verständliche und anschauliche Weise beantwortet.
Dabei ging es nicht nur um die grundlegende Funktionsweise des Strommarktes, sondern auch um aktuelle Herausforderungen der Energiepolitik. Wir beschäftigten uns unter anderem mit den Auswirkungen der Preisschocks auf den Öl- und Gasmärkten infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine und deren Folgen für private Energieanbieter. Außerdem diskutierten wir, warum die zunehmende dezentrale Nutzung von Photovoltaikanlagen auf privaten Dächern das Stromnetz vor neue Herausforderungen stellen kann.

Russland und Ukraine
Gerhard Mangott ist all jenen kein Unbekannter, die sich in den vergangenen Jahren in den österreichischen Medien mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine auseinandergesetzt haben. Der Professor für Politikwissenschaften ist und bleibt ein geschätzter Gast in verschiedensten Fernsehsendungen.
Umso mehr haben wir uns gefreut, ihn bei uns begrüßen zu dürfen. Gemeinsam mit ihm sprachen wir über den Krieg in der Ukraine, globale Lieferketten und seinen persönlichen Werdegang. Darüber hinaus gab er uns einen Einblick in die Strategie der Europäischen Union gegenüber Russland und zeigte auf, welche Abhängigkeiten im Bereich der Rohstoffe bestehen und welche geopolitischen Herausforderungen sich daraus ergeben.
Ein Abend, der einmal mehr verdeutlichte, wie eng internationale Konflikte, wirtschaftliche Interessen und politische Entscheidungen miteinander verwoben sind.

Menschenrechte gelten auch für alte Menschen?
„Jeder will alt werden, aber niemand will alt sein.“ Diese Binsenweisheit verdeutlicht, wie häufig in Debatten über unser Wirtschafts- und Sozialsystem vor allem steigende Kosten und finanzielle Herausforderungen im Mittelpunkt stehen. Die Lebensrealitäten, Bedürfnisse und Rechte älterer Menschen geraten dabei oft in den Hintergrund.
Genau diesen Fragen widmeten wir uns gemeinsam mit der Menschenrechtsexpertin und Mitglied des UN-Menschenrechtsrats Claudia Mahler. Wir sprachen über die Rechte älterer Menschen, ihre gesellschaftliche Stellung und die Herausforderungen, mit denen sie im Alltag konfrontiert sind. Dabei wurde deutlich, dass das Älterwerden nicht nur eine Frage des Sozial- und Gesundheitssystems ist, sondern auch eine Frage der Menschenrechte, der gesellschaftlichen Teilhabe und eines würdevollen Lebens.

Gemeinsam unterwegs im Gesäuse
Bekanntermaßen hat bereits Kierkegaard erkannt, dass die besten Gedanken beim Wandern kommen.
Zusammen mit unseren Schwesterorganisationen aus Graz und Wien machten wir uns auf den Weg nach Liezen in der Steiermark. Auf der Klinkehütte im Gesäuse verbrachten wir ein ganzes Wochenende bei schönem Wetter, gutem Essen und dem einen oder anderen kühlen Bier.
Abseits von Vorträgen und Workshops blieb dabei genügend Zeit, um über alles rund um die Wirtschafts- und Sozialpolitik zu sprechen, Gedanken auszutauschen und neue Perspektiven kennenzulernen. Mindestens genauso wichtig war aber auch das, was zwischen den Diskussionen passierte: das gemeinsame Lachen, die Gespräche und das Knüpfen neuer Freundschaften.
Ein Wochenende, das einmal mehr gezeigt hat, dass Wirtschaftspolitik nicht nur von unterschiedlichen Perspektiven und kontroversen Diskussionen lebt, sondern vor allem auch von den Menschen, die sich gemeinsam damit beschäftigen.


Vielen Dank an alle TeilnehmerInnen, die dieses tolle Jahr möglich gemacht haben!
Tobias, Antonia, Antonia, Gianluca
